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23.05.08
Inhalt:
1. Einleitung
2. Zwanzig
Hindernisse, Ursachen, gute
Gründe:
2.1 Anonymität
2.2 Die
Beziehung ist sehr belastet
2.3 Probleme
und Gefühle reflektieren
2.4 Fehlendes
Einverständnis der Überlebenden
2.5 Überlebende
haben Vorrang
2.6 Schlechte
Erfahrungen
2.7 Beendete
Selbsthilfe-Projekte
2.8 Vergebliche
Suche
2.9 Fachmännische
Hilfe wird
bevorzugt
2.10 Glaube
2.11 Foren-Eigenschaften
2.12 Chat-Eigenschaften
2.13 Fremdwörter
+ Regeln
2.14 Scham
2.15 Angst,
Lähmung, Sprachlosigkeit
2.16 Sein
Leid klagen
2.17 Mehrere
Problemfelder
2.18 Erkenntnis
der Individualität
2.19 Homepage-Bau
2.20 Liebe
Seitenanfang
3. Männer:
3.1 Anteil
der Männer unter den Verbündeten
3.2 Männer
als Verbündete
3.3 Gefühle
ausdrücken + Hilfe annehmen
3.4 Männer
unter sich als Ratgeber
3.5 Verdrängen
der Probleme
3.6 Machtlosigkeit
3.7 Selbstzweifel
als Mann
4. Glückliche
Verbündete
5. Ex-Verbündete
6. Neu-Verbündete
7. Potentielle
Verbündete:
7.1 Unklare
Ursachen der psychischen Belastung
7.2 Zukünftige
Verbündete
7.3 Mehrere
Beziehungen zu Überlebenden
7.4 Schweigende
Überlebende
8. Schlusswort
und Ausblick
Seitenanfang
1. Einleitung
Wo
sind die ganzen Verbündeten? Diese Frage haben sich auch
schon andere vor mir gestellt. Gerade in den Foren zum Thema
sexueller Missbrauch bzw. sexuelle Gewalt taucht diese Frage immer
mal wieder auf. In diesem Text geht es um die möglichen
Ursachen, warum es so wenig Homepages von Verbündeten gibt
und warum so wenig Verbündete in den bestehenden Foren aktiv
sind.
Nach meiner persönlichen Erfahrung sind
erstaunlich viele Überlebende und im Gegensatz dazu nur
wenige Verbündete im Netz aktiv. Es gibt sehr viele Menschen,
die sexuellen Missbrauch bzw. sexueller Gewalt erlitten haben.
Also gibt es auch eine sehr große Anzahl von Menschen, die
als Partner, Angehöriger, Freund etc. einer Überlebenden
zur Seite stehen.
Natürlich gibt es viele Verbündete
im Netz. Allerdings sind diese halt nicht als Verbündete
aktiv.
Es kostet enorme Überwindung, sich öffentlich
als Partner einer missbrauchten Frau darzustellen, selbst wenn
dies anonym geschieht.
Mir selbst ging es auch nicht
anders. Dieser erste Schritt ist unglaublich schwer.
Seitenanfang
2. Zwanzig
Hindernisse, Ursachen, gute Gründe:
2.1 Anonymität
Die
Möglichkeit der Anonymität im Internet ist sicherlich
ein großer Vorteil. Risiken im Datenschutz gibt es
allerdings schon.
Technisch gesehen gibt es keine
Anonymität im Netz:
Man kann sich eine
Phantasie-E-Mail-Adresse zulegen, dann hat der Anbieter die echten
Daten. Zudem können E-Mails, die nicht verschlüsselt
sind, auf dem Weg zum Empfänger abgefangen bzw. ausgelesen
werden. Geht man von zu Hause aus ins Netz, dann wird man durch
die IP-Adresse identifiziert. Baut man sich eine Homepage, so
braucht zumindest der Domain- oder Sub-Domain-Hoster
die echten Personalien.
Entweder man hat Vertrauen in den
sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten oder man geht halt
doch ganz bewusst ein gewisses Risiko ein. Für Überlebende,
die akut bedroht sind, ist dies eine noch weitaus schwierigere
Entscheidung.
Wie sieht es zu Hause am PC aus?
Computer
und Internet werden heute in der Regel von allen
Familienmitgliedern genutzt. Wenn diese sich mit der Technik
besser auskennen, dann können sie auch sehen, wo ich mich im
Internet aufhalte oder gar an wen ich Mails verschicke.
Risiken
der anonymen Selbsthilfe:
Ein Nachteil der Anonymität
ist die Unsicherheit, ob das, was andere von sich behaupten, auch
wirklich stimmt oder doch frei erfunden ist. Es ist oft vollkommen
unklar, wer mir da einen Rat gibt und wie er zu seinen
Erkenntnissen gelangt ist.
Es gibt im Netz Foren, die
vollkommen öffentlich sind. Jeder kann dort lesen oder sogar
etwas schreiben. Die Seiten bzw. Beiträge werden zum Teil
auch von Suchmaschinen ausgewertet. Schreibt man dort aus
Gewohnheit bzw. aus Versehen seinen richtigen Namen unter ein
Posting, dann ist es mit der Anonymität vorbei. Unter
Umständen sind diese Informationen nur schwer wieder aus dem
Netz zu bekommen.
Ist meine Anonymität gewahrt? Wenn
ich viel über mich schreibe, auch persönliche Details,
dann kann mich tatsächlich jemand erkennen.
2.2 Die
Beziehung ist sehr belastet
Ist die Beziehung durch die
Folgen des sexuellen Missbrauchs schwer belastet, dann kostet das
Lesen der Schicksale anderer Überlebenden und Verbündeten
eher zusätzlich Kraft.
Die Beschäftigung mit
sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt ist anstrengend. Das
Lesen eines Buches zum Thema kann bereits zum Kraftakt werden.
Sich zeitweise nicht mit sexuellem Missbrauch zu beschäftigen,
das kann durchaus ein sinnvoller Selbstschutz sein.
Ist der
Alltag bereits ausgefüllt (Arbeit, Haushalt, Kinder etc.),
dann fehlen schlicht die Zeit und die Energie, um sich zu
informieren und auszutauschen. Die wenige Freizeit wird in
diesem Falle sinnvollerweise genutzt, um für sich selbst
etwas zu tun und Kraft zu tanken. Dem Thema sexueller Missbrauch
sollte grundsätzlich nicht mehr Zeit und Raum im Leben
überlassen werden, als es unbedingt notwendig ist.
Seitenanfang
2.3 Probleme
und Gefühle reflektieren
Es kann sehr schmerzlich
sein, als Verbündeter sein eigenes Verhalten und eigene
Probleme, die mit sexuellem Missbrauch möglicherweise gar
nichts zu tun haben, anzuschauen.
Als Partner z. B.
auf sein eigenes Alkohol- oder Drogenproblem angesprochen zu
werden, das ist unangenehm.
Sich seine eigenen Gefühle
klarzumachen, gerade auch negatives Fühlen wie Wut,
Verzweiflung oder Angst, das kann anfangs eine zusätzliche
Belastung sein.
2.4 Fehlendes
Einverständnis der Überlebenden
Ist die
Betroffene strickt dagegen, dass sich ihr Partner mit anderen
Verbündeten austauscht, dann muss erst noch ein Kompromiss
gefunden werden. Die Überlebende möchte z. B. nicht,
dass der Partner hinter ihrem Rücken über sie und ihre
Probleme spricht und Privates weitergibt. Wenn
sich die Überlebende viel austauscht, auch über
Beziehungsfragen, dann findet sie gegebenenfalls selbst auch
Antworten auf die Fragen, die sich der Partner stellt. Ein
Selbsthilfe-Forum kann dann aber trotzdem zumindest zum Lesen
genutzt werden. Die
Überlebende entscheidet grundsätzlich, wie mit dem Thema
sexueller Missbrauch umgegangen wird. Möglicherweise möchte
sie nur die Familie oder den Partner einweihen.
Das
Gegenteil:
Überlebende weisen den Partner darauf
hin, doch mal aktiv zu werden und sich mit dem Thema sexueller
Missbrauch bzw. sexueller Gewalt zu beschäftigen.
2.5 Überlebende
haben Vorrang
Der Raum zum Austauschen gehört den
Überlebenden, die Aufmerksamkeit gebührt den
Betroffenen. Die Partner und Angehörigen kommen erst an
zweiter Stelle. Das Leid und die Sichtweisen der Überlebenden
sollten zuerst mal ihren Platz haben. Die Hilfsangebote für
Überlebende sollten hauptsächlich unterstützt
werden.
Gerade als Mann sollte man sich nicht in den
Vordergrund stellen, da die Täter meist Männer sind.
Alleine die Anwesenheit eines Mannes kann bei Überlebenden
schon Angst auslösen. Viele Überlebende leben noch in
Angst vor Nachstellungen.
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2.6 Schlechte
Erfahrungen
Schlechte Erfahrungen im bisherigen
Austausch über sexuellen Missbrauch können zu einem
Rückzug führen. Sowohl im realen Leben, z. B. das
Gespräch mit Freunden oder in einer Selbsthilfegruppe, als
auch im Internet kann der Austausch eher unbefriedigend
verlaufen.
Beispiele:
>
mangelndes Verständnis für die persönliche
Beziehungssituation
> harte
Kritik am Verhalten oder Fühlen des Verbündeten
>
keine guten Ratschläge bekommen bzw. sich im Kreis
drehen
> Abbruch
des Austauschens, da die andere Beziehung zerbrochen ist
Sich
persönlich zu öffnen und vielleicht harte Kritik zu
bekommen oder sogar verletzt zu werden, diese Gefahren bestehen im
Selbsthilfe-Austausch immer. Vielleicht wird man selbst verletzt
oder man verletzt andere unabsichtlich. Selbsthilfe-Angebote sind
keine therapeutischen Angebote. Schlechte Ratschläge zu
bekommen oder selbst zu geben, das ist natürlich
möglich.
Sensible und vorsichtige Verbündete
lassen sich möglicherweise von den Gefahren und Risiken
abschrecken.
2.7 Beendete
Selbsthilfe-Projekte
Es
gibt einige inaktive Websites speziell für Verbündete
und auf Homepages findet man tote Links zu diesen Angeboten. Dies
erweckt den Eindruck, dass es vielleicht gar keine Verbündeten
mehr im Netz gibt.
Projekt verfehlt das
Ziel:
Selbsthilfe-Projekte speziell für
Verbündete sind meist nicht auf Dauer ausgelegt. Bei einer
Änderung der privaten Situation kann das Projekt recht
schnell aus dem Netz verschwinden. Als Überlebende muss man
sich möglicherweise ein Leben lang mit sexuellem Missbrauch
und den Folgen auseinandersetzen. Als Ex-Verbündeter hat man
allerdings die Möglichkeit, das Thema hinter sich zu
lassen.
Im schlechtesten Fall führt das Projektende
bei Verbündeten zur Erkenntnis, dass Beziehungen zu
Überlebenden überhaupt nicht dauerhaft möglich
sind.
Es wird deshalb
lieber auf Austausch verzichtet, um nicht durch die negativen
Erfahrungen anderer Verbündeter bzw. Ex-Verbündeter sein
eigenes Beziehungsleben noch kritischer zu sehen.
Projekt
erreicht das Ziel:
Bei
großen Fortschritten auf dem Heilungsweg der Überlebenden
sind die Selbsthilfe-Projekte ebenfalls überholt, weil sich
der Zweck der Homepage oder des Forums erfüllt hat.
Zu
viel Erfolg eines Angebots:
Ein Forum, das ständig
wächst, bringt viel Arbeit und Kosten mit sich. Die Arbeit
ist dann möglicherweise gar nicht mehr zu leisten und es muss
z. B. ein Aufnahmestopp für neue Mitglieder verhängt
werden. Große Homepages und Foren können auch schnell
unübersichtlich werden.
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2.8 Vergebliche
Suche
Das Internet expandiert ständig und wird
zunehmend unübersichtlicher. Schnell das zu finden, was man
sucht, wird immer schwieriger.
Verbündete finden zum
Teil die Angebote zur Selbsthilfe (Homepages + Foren) einfach
nicht.
Fehlende
Infos:
Homepages zum Thema sexueller Missbrauch, auf
denen keine Infos, keine Links oder nur tote Links zu Homepages
und Foren speziell für Partner und Angehörige sind,
erwecken den Eindruck, dass das Thema Partner und Angehörige
nicht so wichtig ist.
Die im Netz aktiven Überlebenden,
Organisationen, Vereine etc. bestimmen hier auch ein Stück
weit den Umgang mit den Verbündeten.
Andererseits
ist dies auch verständlich, gerade wenn die Überlebenden
Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen mit Angehörigen bzw. in
der Partnerschaft gemacht haben. Überlebende
leben möglicherweise gar keine Beziehung, weil dies zu
belastend wäre.
Überlebende müssen
grundsätzlich erst mal auf sich achten und für ihren
eigenen Heilungsweg kämpfen.
Es gibt im Netz
sehr viele Homepages und Foren zum Thema sexueller Missbrauch bzw.
sexuelle Gewalt. Die relativ geringe Anzahl von Verbündeten
verteilt sich demnach auf viele Angebote, so dass sich die
Verbündeten kaum begegnen.
Suche nach bestimmten
Verbündeten:
Ist man hauptsächlich auf der
Suche nach Verbündeten, die eine vergleichbare
Beziehungssituation leben, dann wird die Suche noch schwieriger.
Das exakte Gegenstück zur
eigenen Beziehung wird es kaum geben.
2.9 Fachmännische
Hilfe wird bevorzugt
Wenn die Qualität und der
Nutzen von Selbsthilfeangeboten angezweifelt werden, dann nimmt
man nur fachmännische Beratung in Anspruch. Bei der
professionellen Unterstützung (Therapeut, Arzt,
Sozialarbeiter etc.) gibt es zudem gesetzliche Regelungen zur
Schweigepflicht bzw. zum Datenschutz.
In einer sehr
komplizierten und belastenden Beziehungssituation
ist ein Fachmann tatsächlich die bessere Adresse. Die
Selbsthilfe im Internet sollte dann nur als zusätzliche
Unterstützung genutzt werden.
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2.10 Glaube
Der
Glaube kann eine große Unterstützung auf dem Lebensweg
sein. Eine Glaubensgemeinschaft kann einem Menschen den
notwendigen Halt geben.
2.11 Foren-Eigenschaften
Das
Schreiben von Beiträgen in Foren liegt nicht jedem. Es
braucht Zeit, bis man seine Gedanken und Gefühle formuliert
hat. Man weiß auch nie, welche Reaktionen man bekommt.
Es
ist grundsätzlich ein längerer Prozess, bis man sich mit
dem Thema sexueller Missbrauch auseinandersetzen kann. Es kostet
Überwindung, etwas darüber zu lesen oder dazu zu
schreiben.
Für den ersten aktiven Umgang mit dem Thema
Missbrauch kann der Austausch in einem geschützten Übungsfeld
hilfreich sein.
Die
Gedanken anderer Überlebender zu lesen, das kann dazu
beitragen, die eigene Partnerin besser zu verstehen.
2.12 Chat-Eigenschaften
Im
Chat ist ein direkter und schneller Austausch möglich.
Hier
kann es schneller zu Missverständnissen kommen, diese können
aber auch schneller geklärt werden. Eine genaue
Terminabsprache ist hier unumgänglich.
2.13 Fremdwörter
+ Regeln
Trigger, Flashback, medizinische Fachbegriffe
etc.
Will man sich über sexuellen Missbrauch
austauschen, so muss man sich erst mal mit einigen Fremdwörtern
und Verhaltensregeln vertraut machen.
2.14 Scham
Man
kann sich schämen, dass man mit einem psychisch belasteten
Menschen zusammen ist. Man kann sich schämen, dass die
Partnerin ihre Probleme nicht lösen kann oder sich auffällig
verhält.
Aus Scham hält man die psychische
Belastung der Partnerin möglicherweise selbst vor Freunden
geheim.
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2.15 Angst,
Lähmung, Sprachlosigkeit
Angst, Misstrauen, Scham,
Sprachlosigkeit etc. bei der Überlebenden können sich
auf den Partner übertragen.
Überlebende überlegen es sich sehr gut, wann und mit wem
sie über ihren erlittenen sexuellen Missbrauch bzw. ihre
sexuelle Gewalterfahrung sprechen. Der Verbündete verhält
sich dementsprechend genauso vorsichtig. Die Überlebende
bestimmt grundsätzlich die Art und das Tempo ihrer
Aufarbeitung und ihrer Therapie.
2.16 Sein
Leid klagen
Man will andere Menschen nicht mit seinen
Sorgen belästigen.
Sein Leid zu beklagen, das ist
allerdings für Überlebende und Verbündete
gleichermaßen entlastend. Es ist wichtig, jemanden zu
finden, der in der Lage ist, die Sorgen auch aufzufangen.
2.17 Mehrere
Problemfelder
In der Partnerschaft sind noch weitere
Probleme (Arbeitslosigkeit, Sucht etc.) vorhanden, die ebenfalls
bearbeitet werden müssen.
Es gibt wohl kaum eine
Beziehung, in der nur die Folgeerscheinungen des sexuellen
Missbrauchs ein Problem darstellen.
2.18 Erkenntnis
der Individualität
Die
Erkenntnis, dass jede Beziehung zu einer Betroffenen von sexuellem
Missbrauch etwas ganz Einmaliges ist, kann dazu führen, sich
nicht weiter auszutauschen. Es müssen tatsächlich in
jeder Partnerschaft ganz individuelle Wege gefunden werden. Die
Selbsthilfe und die Hilfsmöglichkeiten durch den Austausch
von Erfahrungen sind mit Sicherheit beschränkt.
2.19 Homepage-Bau
Es
gibt einige gute Gründe, dies nicht zu tun:
Zeitaufwand,
Kosten, Anonymität kann nicht gewahrt werden, Sorge um den
Datenschutz, Gefahr von Abmahnungen, Spam etc.
2.20 Liebe
Die
Liebe zur Partnerin wird als das wichtigste Mittel gegen die
Folgen des sexuellen Missbrauchs angesehen.
Allerdings
ist die Liebe kein Heilmittel, dies zeigt sich an den vielen
zerbrochenen Partnerschaften. Die Liebe ist die Basis der
Beziehung und eher vor den vielfältigen Folgeerscheinungen
des sexuellen Missbrauchs zu bewahren.
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3. Männer:
3.1 Anteil
der Männer unter den Verbündeten
Man könnte
vermuten: Die meisten Betroffenen sind Frauen, von ihnen haben die
meisten einen männlichen Partner, also bilden die Männer
wohl die Mehrheit der Verbündeten.
Aber:
Ein
Teil der Betroffenen lebt überhaupt gar keine Beziehung zu
einem Mann. Entweder weil sie es aufgrund der massiven Probleme
nicht können oder weil sie eine andere sexuelle Ausrichtung
haben.
Ein Teil der Betroffenen sucht sich auch bei
Angehörigen und Freunden eher Frauen als Vertraute.
Je
nachdem, wie groß diese Anteile tatsächlich sind,
könnten Frauen unter den Selbsthilfe-Verbündeten
(Partner, Angehörige, Freunde) durchaus die Mehrheit bilden.
Vermutlich
wird bei Therapeuten und Ärzten auch eher eine Frau
ausgewählt, wenn denn eine Wahlmöglichkeit besteht.
3.2 Männer
als Verbündete
Männer haben wohl mehr
Probleme als Frauen, sich mit ihren Schwierigkeiten anderen
zu offenbaren. Es wird immer noch als unmännlich angesehen,
schwierige Situationen nicht lösen zu können. Männer
zeigen ungern ihre Schwächen.
Der Mann als Verbündeter
möchte einerseits mit der Partnerin mitfühlen und
andererseits seine Stärke zeigen, wenn es der Partnerin mal
schlecht geht.
3.3 Gefühle
ausdrücken + Hilfe annehmen
Männer zeigen
ihre Gefühle nicht gerne, weil dies als Schwäche
angesehen wird.
Männer schämen sich, wenn sie als
Mann nicht klarkommen, ein Problem nicht verbessern oder lösen
können.
Männer versuchen erst mal ein Problem
alleine zu lösen. Erst wenn das nicht klappt, wird um Hilfe
gebeten. Die Probleme in der Beziehung zu einer Betroffenen von
sexuellem Missbrauch müssen schon extrem schwierig sein,
damit Hilfe gesucht und angenommen wird.
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3.4 Männer
unter sich als Ratgeber
Möglicherweise
suchen Männer bei Selbsthilfe und fachmännischer Hilfe
eher einen Mann als Gegenüber, da sie sich eine männliche
Sichtweise und Analyse ihrer Probleme wünschen.
3.5 Verdrängen
der Probleme
Viel Arbeiten:
Probleme werden
durch die Arbeit erst mal beiseite geschoben. Bei hoher
Arbeitsbelastung ist vielleicht gar keine Zeit und Energie mehr
vorhanden, um sich mit sexuellem Missbrauch zu beschäftigen.
Den
Missbrauch mal beiseite schieben und sich mit etwas ganz anderem
beschäftigen, das ist sicherlich überlebenswichtig.
Die
aktive Bearbeitung der Folgeerscheinungen des sexuellen
Missbrauchs ist allerdings auch wichtig.
Sexuellen
Missbrauch ausgrenzen:
Internet und E-Mail gehören
heute oftmals zum Arbeits- und Alltagsleben dazu. Durch einen
E-Mail-Austausch über das Thema würde der sexuelle
Missbrauch auch in diese Lebensbereiche eindringen.
3.6 Machtlosigkeit
Der
Mann will helfen, hat aber als Partner nur begrenzte
Möglichkeiten, um gegen die Folgeerscheinungen des sexuellen
Missbrauchs vorzugehen. Er hat es mit einem übermächtigen
Gegner zu tun. Der Partner ist häufig bereit, unglaublich
viel zu geben und auf viele Dinge zu verzichten. Trotzdem ist er
oftmals hilflos den Folgen des Missbrauchs ausgeliefert.
3.7 Selbstzweifel
als Mann
Da die
meisten Verursacher von Gewalt bzw. sexueller Gewalt Männer
sind, kann man durchaus an diesem Geschlecht zweifeln.
Vielleicht
hat man als Mann selbst schon eine Frau aufgrund ihres Geschlechts
benachteiligt oder Gedanken und Handlungen bei sich entdeckt, die
in irgendeiner Art und Weise gegen Frauen gerichtet waren.
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4. Glückliche
Verbündete
Verbündete, die in harmonischen
Beziehungen leben und glücklich sind, kommen sicherlich nicht
auf die Idee, aktiv zu werden.
Diese
Verbündeten benötigen weder Informationen noch Austausch
über das Thema sexueller Missbrauch bzw. sexuelle
Gewalt.
Gerade glückliche Verbündete wären
aber eine Bereicherung in Selbsthilfe-Projekten. Sie könnten
den Verbündeten in schwierigen Beziehungen ihre erfolgreichen
individuellen Lösungswege beschreiben.
Von
erfolgreichen Heilungsschritten einer Überlebenden zu
erfahren, das tut gut und nährt die eigene Hoffnung. Zu
lesen, dass andere Betroffene den sexuellen Missbrauch ein Stück
weit hinter sich lassen können und damit neue
Lebens-Möglichkeiten haben, ist äußerst
motivierend.
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5. Ex-Verbündete
Zerbricht
die Beziehung zu einer Betroffenen von sexuellem Missbrauch, so
wird der Partner zum Ex-Verbündeten. Viele Ex-Verbündete
beschäftigen sich nicht mehr mit dem schwierigen Thema
Missbrauch, da sie ja nicht mehr betroffen sind.
Gerade die
Ex-Langzeit-Verbündeten wären aber eine enorm wichtige
Informationsquelle. Diese Ex-Partner haben wichtige Erfahrungen
gemacht und nun auch den notwendigen Abstand zur
Beziehungssituation, um anderen Verbündeten Hilfestellungen
geben zu können.
Für
jeden Verbündeten ist die Kenntnis der Zerbrechlichkeit der
Beziehung wichtig. Kommt es tatsächlich zur Trennung, dann
ist oftmals eine Nachbearbeitung der Beziehungserfahrungen
notwendig.
Im Selbsthilfe-Rahmen könnte
möglicherweise auch eine Aufarbeitung der ehemaligen
Partnerschaft stattfinden. Die gemeinsame Rückschau könnte
wichtige Fragen klären.
Projekte nach dem Ende der
Beziehung:
Manche Ex-Verbündeten starten Aktionen
gegen sexuellen Missbrauch. Da die Belastung durch die Beziehung
weggefallen ist, ist nun die notwendige Energie für Projekte
zum Thema vorhanden.
Rat eines Ex-Verbündeten
annehmen?
Einerseits ja: Der Ex-Verbündete hat
möglicherweise jahrelang Mittel und Wege gefunden, um die
Beziehung trotz der gravierenden Folgen des sexuellen Missbrauchs
am Leben zu erhalten.
Andererseits nein: Da die Beziehung
ja in die Brüche gegangen ist, werden andere Verbündete
die Ratschläge wohl eher ignorieren.
Wertvoll und
wichtig sind auf jeden Fall die Erfahrungen, die Ex-Verbündete
gemacht haben. Sowohl aus den guten als auch aus den schlechten
Erfahrungen können andere Verbündete profitieren.
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6. Neu-Verbündete
Neu-Verbündete
sind Menschen, die eine Beziehung zu einer Überlebenden
eingehen oder während deren Beziehung gerade Traumatisches
erlebt wurde bzw. erste Erinnerungen hochkommen. Wird man als
Partner aus heiterem Himmel mit sexuellem Missbrauch bzw.
sexueller Gewalt und den gravierenden Folgen konfrontiert, dann
steht die Welt möglicherweise erst mal Kopf.
Gerade
Neu-Verbündete benötigen sehr schnell möglichst
viele und verständliche Informationen: Infos über
sexuellen Missbrauch, die vielfältigen Folgeerscheinungen,
die Heilungsdauer, die Auswirkungen auf die Partnerschaft, die
Möglichkeiten und Grenzen der Hilfestellungen des Partners
etc.
Für den Neu-Verbündeten ist die Situation
vergleichbar mit dem Beginn einer Reise ins Ungewisse.
Möglicherweise ist er erst mal vollkommen überfordert.
Er benötigt Informationen und Hilfestellungen, die ihn ein
Stück weit entlasten.
Neu-Verbündete benötigen
auf jeden Fall die sensibel vermittelte Information, dass die
Beziehung zu einer Betroffenen von sexuellem Missbrauch
möglicherweise sehr zerbrechlich ist.
Ist
der Partner überfordert bzw. nicht ausreichend informiert,
dann wird die Beziehung zur Überlebenden vielleicht nur sehr
kurze Zeit bestehen.
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7. Potentielle
Verbündete:
7.1 Unklare
Ursachen der psychischen Belastung
Es können viele
Jahre vergehen, bis für die Überlebende überhaupt
die Möglichkeit oder die Sicherheit feststeht, dass hinter
ihren bisherigen psychischen Problemen ein Missbrauchstrauma
steckt. Die Betroffene kann auch ein relativ normales Leben
geführt haben und muss sich nun plötzlich mit
Erinnerungen an traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit
beschäftigen.
Solange
der sexuelle Missbrauch nicht als Ursache für die Belastungen
erkannt worden ist, so lange ist den Betroffenen, den Partnern und
den Angehörigen ihr Überlebenden- bzw.
Verbündeten-Dasein noch nicht bewusst.
7.2 Zukünftige
Verbündete
Wahrscheinlich kommen jeden Tag Partner
und Angehörige in die Situation, sich erstmals mit sexuellem
Missbrauch auseinandersetzen zu müssen.
7.3 Mehrere
Beziehungen zu Überlebenden
Bei der großen
Anzahl von Menschen, die in irgendeiner Form sexuellen Missbrauch
bzw. sexuelle Gewalt erlebt haben, besteht durchaus die
Möglichkeit, mehrmals eine Beziehung mit einer Betroffenen
einzugehen.
7.4 Schweigende
Überlebende
Vermutet die Überlebende ein
sexuelles Trauma oder ist es ihr bereits bewusst, dann kann es
durchaus sein, dass sie ihren Partner nicht darüber
informiert. Scham und Ängste verhindern hier den Austausch in
der Partnerschaft.
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8. Schlusswort
und Ausblick
Warum gibt es also so wenig Verbündete
im Netz?
Wahrscheinlich treffen alle gefundenen Antworten
mehr oder weniger zu. Es gibt sicherlich noch jede Menge andere
Erklärungen.
Das Verbündeten-Dilemma:
Einerseits
möchten Verbündete über ihre Lebens- und
Beziehungssituation etwas schreiben bzw. sich austauschen und
andererseits gibt es große Hindernisse und auch gute Gründe,
dies nicht zu tun.
Die Zukunft:
Mit meiner
Homepage möchte ich die vielen Verbündeten motivieren,
sich zu informieren und aktiv zu werden – ob nun im
Selbsthilfe-Bereich oder im fachmännischen Bereich der
Hilfsangebote.
Ein
Mensch, mit dem man sich über seine Lebenssituation und seine
Gefühle austauschen kann, ist extrem wertvoll.
Beim
Kampf gegen die Folgen des sexuellen Missbrauchs kann man wirklich
jegliche Hilfe gebrauchen.
23.05.08
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